Abschnitt 32

Sie gehen an den Ställen vorbei zum Bergfried und treten ein. Als Sie durch den Eingang schreiten, bemerken Sie erstaunt, daß die Außenmauern gute fünf Schritt dick sind. Sie gehen weiter und gelangen in die große Küche des Klosters, wo Sie ein Wirrwarr von Gerüchen und Geräuschen umfängt. In einer etwa vierzig Schritt durchmessenden Halle wird überall gehackt, geklopft, zerschnitten und gesotten. Unter dem Nordwestturm erkennen Sie einen gewaltigen Backofen, vor dem sich frisch geformte Brotlaibe stapeln. Am anderen Ende der Halle, unter dem Südwestturm, befindet sich ein ebenso gewaltiger Kamin, über dessen Feuer eine rosige Schweinehälfte am Spieß gedreht wird und Suppenkessel brodeln, in denen sicherlich ein ganzer Mensch Platz fände.

In der Halle selbst werden unter einer dicken Dunstglocke an zahlreichen Feuerstellen Speisen zubereitet: Fische aus einem der Bergbäche, Soßen aus Pfefferminz, Wein, Knoblauch und Schweinesud, Würste und Rüben, Grütze und Kutteln. Zahlreiche Mönche betreuen das Kochen, wobei ihnen etliche Novizen, Mägde und Knechte zur Hand gehen. In der Mitte der Halle steht der Küchenwart, der mit gestrengem Blick über das ganze Treiben wacht.

Sie schleichen durch den Saal und betreten die andere Hälfte des Turmes ein ebenso großer Raum, an dessen Ecken riesige Kamine stehen, der aber ansonsten völlig leer ist. Laut hallen Ihre Schritte über die Fliesen, als Sie auf die breite Wendeltreppe des Bergfriedes zuschreiten und ihr nach oben folgen. Im ersten Stock angelangt, öffnet sich Ihnen der Blick auf die Halle der Skriptoren, über der sich die Bibliothek befinden müßte. Gerade wollen Sie erneut die Treppe betreten, als Sie ein alter Mönch unsanft am Arm packt. Im Gegensatz zu seinen Ordensbrüdern trägt er ein rotes Gewand, das ihn als einen Klostervorsteher auszeichnet. Hellblaue, wachsame Augen blitzen Sie aus dem faltigen Gesicht an.

"Verzeiht Fremder, aber Gästen und Pilgern ist es nur an den Tagen des Praios erlaubt, den Wissenshort des Herrn zu besehen, die Schriften und Bücher zu ehren. Als Hüter der Schriften muß ich Euch den Zugang verwehren!" Enttäuscht nicken Sie. Die Vorsicht der Mönche ist durchaus verständlich, und so entschuldigen Sie sich bei dem Hüter der Schriften und grübeln darüber, wenigstens die Halle der Skriptoren zu besichtigen (42). Ach was, das ist doch kein Ersatz für den Besuch der Bibliothek, denken Sie und verlassen schmollend den Bergfried (21).