Ihre Hoffnung erfüllt sich in verblüffender, geradezu schockierender Art und Weise! Kaum haben Sie den Gürtel mit sauberem Schnitt zertrennt, da beginnt die Schnalle in gleißendem Licht zu erstrahlen und mit leisem Zischen zu zerschmelzen. Die Luft selbst scheint zu knistern und dichten Rauch zu entwickeln, der Sie fast blind werden läßt. Ein lauter Knall, den man gewiß bis nach Corwick hören konnte, ertönt, und ein heftiger Windstoß reißt Sie zu Boden.
Als Sie sich wieder aufrichten und der Rauch sich verflüchtigt hat, wollen Sie Ihren Augen nicht trauen... Dort, wo eben noch der Riese lag, liegt nun ein spindeldürres Kerlchen im Gras, unter einem Berg von übergroßen Fellen. Verzweifelt und verwirrt springt das Männchen auf und faßt sich an die Hüften. "Sein Gürtel! Oje, sein schöner Zaubergürtel! Smergels Gürtel ist weg, für immer verloren! Smergel ist wieder klein, owe owe!"
Dann fällt sein Blick auf Brenwir, der inzwischen aus seinem Versteck getreten ist, mit vor Staunen weit aufgerissenem Mund, und auf Sie. Angesichts Ihrer blitzenden Klingen fällt es auf die Knie. "Oh edle Herren, laßt den armen Smergel laufen! Er hatte doch nur Hunger, nichts Böses im Sinn. Habt Erbarmen mit armem Smergel, laßt ihn laufen!"
Verdutzt starren Sie auf die zeternde Gestalt, die händeringend um Gnade fleht, und müssen unwillkürlich lachen. Auch Brenwir bricht in schallendes Gelächter aus. Ja, es treibt Ihnen Tränen in die Augen und läßt Sie den armen Smergel ganz vergessen, der die Gunst der Stunde nutzt und sich mit gesenktem Kopf davonschleicht.
Freilich, um die Corwicker nicht zu beschämen, beschließen Sie, Ihnen die Wahrheit zu verschweigen und eine wilde Geschichte von der endgültigen Vertreibung des Riesen Smergel aufzutischen. Im Dorf wundert man sich zwar sehr über Ihr Kichern, als Sie von Brenwirs Heldenmut, Ihrer Furchtlosigkeit und großer Lebensgefahr berichten, aber der Dankesworte gibt es viele. Endlich verkünden Sie, daß Sie ohne weiteren Zeitverlust weiterreisen wollten.
Waldemar und Heidrun stellen Ihnen ein Proviantpaket zusammen, bei dem Ihnen das Wasser im Mund zusammenläuft, Weinwirt Rufus steckt eine Karaffe des besten "Schloß Ygrec" in Brenwirs Satteltasche und jemand überreicht Ihnen neue, herrlich weiche, dick gefütterte Wintermäntel. Das ganze Dorf begleitet Sie bis zu den letzten Häusern, und als Sie langsam den verschneiten Bergen des Finsterkamms entgegenschreiten, winken Ihnen die Corwicker noch lange nach (3).