Abschnitt 2

Corwick ist ein malerisches Örtchen am Fuße des Finsterkamms. Etwa drei Dutzend Häuser säumen einen klaren Bach, der aus den Bergen herabströmt und dabei die etwas abseits gelegene Wassermühle von Corwick antreibt. Schnurgerade Wege führen zwischen den kleinen Hütten mit ihrem Fachwerk und den leuchtend roten Ziegeldächern hindurch. Seitlich der Wege laden kleine Bänke zum Verweilen ein; ihre Sitzflächen sind vom Schnee befreit, und auch die am Wegesrand zusammengefegten Schneehäufchen zeigen an, daß die Bewohner dieses idyllischen Örtchens sehr auf Reinlichkeit bedacht sind. Fröhlich registrieren Sie diesen Umstand und atmen tief die klare Winterluft ein. Ja, hier könnte man glatt seinen Lebensabend verbringen, denken Sie, in völliger Abgeschiedenheit, in Harmonie mit sich und der Natur...

Unwillkürlich müssen Sie schmunzeln - neuerdings scheinen Ihnen wunderliche Gedanken in den Kopf zu kommen! Ellas störrisches Schnauben reißt Sie vollends aus Ihren Betrachtungen, und Sie wenden sich Brenwir zu, der gerade dabei ist, den Esel in Richtung auf das einzige Gasthaus im Ort zu zerren. Auf dem im Wind schaukelnden Türschild - frisch gestrichen - prangt über einem Wildschwein der klangvolle Name "Zum Eber", und kaum nähern Sie sich der Herberge, da eilt Ihnen bereits der Wirt entgegen, stellt sich als "Waldemar Sveinsson, der Herr des Hauses", vor und führt das Grautier in einen Stall hinter dem Gebäude. Durch die Hintertüre betreten Sie die mollig warme Gaststube, wo Ihnen die Gattin des Wirtes, eine freundliche Frau namens Heidrun, auf Kosten des Hauses einen Willkommenstrunk kredenzt. Von der Freundlichkeit der Leute verblüfft, bedanken Sie beide sich herzlich und bitten um ein Zimmer für eine Nacht.

Waldemar Sveinsson führt Sie in das obere Stockwerk, und Ihr Quartier, frisch geschrubbt und mit blütenweißen Laken, fügt sich bestens in das Erscheinungsbild der kleinen Ortschaft. Sie unterhalten sich noch einige Augenblicke mit Sveinsson, doch als Brenwir müde auf sein Bett sinkt, läßt Sie der redselige Wirt allein natürlich nicht ohne Ihnen noch die Weinhandlung des Rufus ("mit Probierstube") in der Dorfmitte empfohlen und Ihnen mitgeteilt zu haben, daß am Abend im Eber ein kleines Dorffest stattfinden werde, zu dem er die Gäste liebend gerne begrüßen würde...

Froh, den Mühsalen der Reise nun endlich entronnen zu sein, lassen auch Sie sich auf das weiche Bett fallen und ruhen sich aus. Doch als Ihnen Brenwir wenig später verkündet, er wolle einen Spaziergang durch den Ort machen, möchten Sie ihn aller Müdigkeit zum Trotz unbedingt begleiten (62).

Nein, Sie ruhen sich erst einmal aus, um frisch und guter Dinge neuen Taten entgegenzusehen (50).