Vorsichtig schleichen Sie zum Badehaus hinüber. So leise wie es Ihnen möglich ist untersuchen Sie im Schein Ihrer Kerze das Gebäude. Schon nach kurzer Zeit entdecken Sie, daß sich in der Bodenwanne eines gewaltigen Waschzubers ein Griff befindet. Mit klopfendem Herzen öffnen Sie die Tür zu einem Treppenschacht, der sich unter dem Wannenboden verbirgt.
Leises Stimmegemurmel dringt zu Ihnen herauf. Todesmutig steigen Sie hinab und können nach wenigen Metern im Schein mehrerer Fackeln ein Kellergewölbe ausmachen. Nur wenige Schritt vom Fuß der Treppe entfernt beginnt ein schmaler Gang, auf dessen rechter Seite mehrere vergitterte Zellen gelegen sind. Den Zellen gegenüber befindet sich eine Wachstube. Darin erkennen Sie zwei Mönche, die Hellebarden in greifbarer Nähe. Die zwei sind so sehr in eine Unterhaltung vertieft, daß sie Sie noch nicht bemerkt haben.
Ihre Augen wandern wieder zu den Zellen hinüber, da entdecken Sie Brenwir: In der ersten Zelle, nur wenige Schritt von Ihnen entfernt, schläft Ihr Gefährte auf einer harten Pritsche. Jetzt haben Sie Gewißheit! Doch wie können Sie ihm helfen? Ratlos zermartern Sie Ihr Hirn. Zumindest zeigen wollen Sie sich Brenwir, um ihm Mut zu machen. Dann kommt Ihnen ein glänzender Einfall! Schnee... Sie schleichen zurück nach draußen, nehmen eine Handvoll Schnee und formen einen kleinen Ball. Anschließend kehren Sie zum Fuß der Treppe zurück und holen tief Luft. Der Wurf muß treffen, sonst war alles vergebens! Die Ordensbrüder sind mit sich beschäftigt, stellen Sie erleichtert fest. Dann werfen Sie den Schneeball durch das Gitter und treffen Brenwir direkt am Kopf. Dieser fährt hoch, faßt sich an die Schläfe und mustert den Gang. Dann hat er Sie erblickt, und seine Miene hellt sich auf. Sie machen eine warnende Geste, und Brenwir nickt.
Doch da hebt seine Stimme einen volltönenden Gesang an! Sie weichen erschrocken zurück und lauschen dem Ihnen wohlbekannten Lied, das Brenwir vorträgt:
"Doch leit, daz traf in selber.
er vant sich in ein kerker.
geheime sach, die wußt er ser.
ze unmuot von de klosterher."
Ihr Gefährte läßt sich durch die Drohungen und Flüche der Mönche nicht beirren und endet mit einem lustigen Zwinkern, daß offenbar Ihnen gilt. Seltsam diese Strophe schien irgendwie nicht in Brenwirs Lied zu passen. Er muß sie in Hast erdichtet, sich soeben ausgedacht haben! Darum konnten Sie die alte Sprache diesmal auch besser verstehen. Und die Wachen? Hoffentlich nicht!
Um keine Entdeckung zu riskieren, schleichen Sie zurück ins Badehaus und grübeln auf dem Rückweg in Ihre Kammer über den Inhalt der Strophe nach, die Brenwir zum Besten gab (207). Flüchtig kommt Ihnen noch der Gedanke, der Krypta einen Besuch abzustatten, sofern Sie diese noch nicht eingehend inspiziert haben (95).